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Donnerstag, 27. Dezember 2012

Leitbild Rabenmutter

An der Nahtstelle zwischen Politik und Wissenschaft, vornehmlich im Bereich der Gesellschaftswissenschaften, sind sog. Studien in Mode gekommen. Diese politisch intendierten Studien dienen zumeist dazu, vorweggenommene oder erwünschte politische Aussagen mit dem Schein  der Wissenschaftlichkeit zu unterlegen. So verhält es sich auch mit der neuesten Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungswissenschaft, die in den zurückliegenden Tagen breit in der Tagespresse vorgestellt worden ist. (1) Die Aufgabe der Studie war es, die Ursachen für die signifikant niedrige Geburtenrate in Deutschland herauszufinden und dies vor dem Hintergrund der Milliardenbeträge für staatliches Elterngeld, für zusätzliche Krippenbetreuung und Betreuungsgeld. Um die 195 Milliarden Euro soll der Staat in familienpolitische Leistungen investieren. Zunächst einmal war klar, daß es daher weder an fehlendem staatlichen Geld noch an sozialen Notlagen liegen kann. Ansonsten läge nicht gerade Deutschland auf den hinteren Plätzen weltweit. Die Geburtenrate nimmt tendenziell mit dem Wohlstand eines Landes ab und innerhalb der Gesellschaft nimmt die Kinderlosigkeit mit höherem Bildungsstand und in den höheren Einkommensschichten zu. ,,Je höher die Erwerbsaussichten sind, desto eher werden sich berufsaffine Frauen gegen ein Kind entscheiden.“ (FAZ)  Die Studie selbst  verweist darauf, daß die Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen der Jahrgänge 1963 – 69 bei fast einem Drittel liegt.  Die Studie kam daher zu dem wenig überraschenden Ergebnis, daß die Geburtenrate so niedrig ist, weil  die Frauen (von ihnen ist in erster Linie die Rede) weniger Kinder kriegen wollen oder in der Sprache der Forscher, ,,die niedrige Kinderzahl zumindest zum Teil ein gewünschter Zustand ist.” Schon die Tageszeitungen fassten das kurz und bündig zusammen in Überschriften wie ,,Kinderkriegen ist unattraktiv” (RNZ)  oder ,,Kaum noch Lust auf Kinder. ” (FAZ)  In der Tat stimmten der Aussage ,,Ein Kleinkind wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist” im Westen noch 63% der Befragten zu. Dabei hätte es sein Bewenden haben können, da der Staat den Bürgern in ihren Privatangelegenheiten nicht  seinen Willen aufnötigen sollte. Doch die Bevölkerungsforscher des bundeseigenen Forschungsinstituts beließen es nicht dabei, sondern schlußfolgerten aus ihren Forschungsergebnissen auf ein ,, normatives Dilemma von Elternschaft und Beruf".  In den Antworten der Befragten spiegelt sich offenkundig eine Auffassung von einer eher nicht vorhandenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, oder enger gefasst, von Frauenerwerbstätigkeit und Kinderkriegen. Und zwar weniger im rein praktischen Sinne von einer unterentwickelten ,,Kinderbetreuungsinfrastruktur”, sondern eher im Sinne einer, wenn auch ins Negative gewendeten, verbliebenen  Ethik, die in etwa so lautet: ,wenn ich mich schon nicht (selbst) um mein Kind kümmern will, dann will ich es auch erst gar nicht zur Welt bringen.’ Das ist genau das, was die Forscher das normative Dilemma nennen, das Festhalten an dem ,,Leitbild der guten Mutter”, wie sie sagen, oder der Angst, als Rabenmutter zu erscheinen. Nach den Angaben der Befragten eigentlich aber genauer, der Angst, sich als Rabenmutter zu fühlen. Die Studie lenkt damit in der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf  den Blick weg von dem bloßen Ausbau der ,,Kinderbetreuungsinfrastruktur”, wie das Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nennt, und worauf die Politik, vornehmlich die linke fokussiert ist, auf das mentale Problem der Überwindung des Leitbilds der guten Mutter. Dabei stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf kulturhistorisch erst in allerjüngster Zeit. Genauer gesagt, diese Frage hat sich solange überhaupt nicht gestellt, solange es die Familie als intakte und gesellschaftliche akzeptierte Institution gab. Die Frage begleitet daher eher den bereits weit fortgeschrittenen tatsächlichen Verfall der Familienstrukturen. Als Problem kam die Frage erst auf mit dem Vordringen der Erwerbsarbeit von Frauen. Damit ist nicht gemeint, die frühere Mitarbeit von Frauen etwa in agrarischen Gesellschaften oder die erzwungene massenhafte Fabrikarbeit proletarischer Schichten in Zeiten der industriellen Revolution, sondern die dem Zeitgeist entsprechende Erwerbsarbeit von Frauen als Lifestylefrage. Starke Frauen, jung, sexy, erfolgreich. Die Erwerbsarbeit in diesem Sinne unterscheidet sich von der Erwerbsarbeit der Männer grundlegend.  Für Generationen von Männern stand bei der Erwerbsarbeit die Gründung und der Unterhalt einer Familie im Vordergrund, und so ist es mental auch heute noch. Daher rührt ja die notorische ideologische Breitseite gegen das Rollenbild des Mannes als Alleinverdiener. Ganz anders verhält es sich mit dem zeitgenössischen und naturgemäß eher in den höheren Einkommensschichten anzutreffenden Streben der Frauen nach Erwerbsarbeit. Für diese steht vor allem der Drang nach (finanzieller) Unabhängigkeit im Vordergrund und damit die Abkehr von der Familie oder die Befreiung aus ihr. Keine Studie wird eine nennenswerte Anzahl von Frauen auftreiben können, die als wesentliches Motiv für ihre Erwerbsarbeit und ihre Karrierepläne die Gründung oder den Unterhalt ihrer Familie angeben wird, inklusive der Versorgung des Ehemanns versteht sich. Die Frauenerwerbsarbeit in dieser Ich-bezogenen Sicht spiegelt die zunehmende Vereinzelung in unserer Gesellschaft und wirkt als entscheidende Sprengkraft für den Familienverband.  In dieser Hinsicht ist Familie und (Frauen-)Erwerbsarbeit jedoch tatsächlich nicht zu vereinbaren. Entweder leidet der Beruf oder die Familie. Sie erhält sich im besten Falle als das bloß unverbindliche Nebeneinander zweier ökonomisch selbständiger Individuen, deren  evtl. vorhandenen Kinder einer umfassenden professionellen Fremdbetreuung anvertraut werden, so daß man von Familie eigentlich gar nicht mehr sprechen kann.  Die gesellschaftliche Wirklichkeit bewegt sich in etwa in der Mitte dieser Extreme. Obwohl in Deutschland die Erwerbsquote von Frauen deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt, beträgt sie dennoch gerade mal 68%. Von diesen Frauen arbeiten in der Altersklasse zwischen 25 und 54 Jahren jedoch wiederum 62 % nur in Teilzeit. Will man einmal nicht annehmen, daß den Frauen das Arbeiten tendenziell ebenso lästig ist, wie das Kinderkriegen, zeigt sich in diesen Zahlen, die ebenfalls dieser Tage von einer OECD Studie zur Rentenproblematik von Frauen veröffentlicht wurden, das gesellschaftliche Beharrungsvermögen gegen den Trend zur völligen Auflösung des Familienverbands in der gleichgewichteten Erwerbsarbeit beider Geschlechter. Sie korrelieren mit dem von den Bevölkerungsforschern ermittelten Beharrungsvermögen des konservativen ,,Leitbilds der guten Mutter”, auch wenn die Befragten daraus für sich offenbar eher die Konsequenz zogen, weniger Kinder zu kriegen.  Dieses normative Dilemma aufzulösen, treibt die Bevölkerungsforscher mit ihrer Studie an. Interessant ist dabei, daß sie den realen Verfall der Familienstrukturen darin schon insoweit adaptiert haben, als sie in der bekannten Vereinbarkeitsformel die Familie bereits durch den biotechnischen Begriff der Elternschaft ersetzen. Mit der bloß biologischen Elternschaft ist es zu vereinbaren, wenn die erwerbstätigen Eltern nach einer Kosten-Nutzen-Analyse die Kinderbetreuung aus der Familie ausgliedern und diese einem wachsenden Erwerbszweig einer professionellen Kinderbetreuung überlassen, etwa in dem Sinne des “Outsourcing” weniger profitablen Betriebsprozesse aus einem Gewerbebetrieb. Dabei geht es längst nicht mehr nur noch um den Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur im engeren Sinne, (,,ein zentrales Anliegen der deutschen Arbeitgeber”, Dieter Hundt). Kitas für Kleinstkinder unter 3 Jahren sind längst avanciert zu frühkindlichen Fördereinrichtungen. Und Kinderbetreuung  umfasst begrifflich längst gesellschaftliche Optimierungsstrategien  von der Bildung bis zur Ernährung. Das alles scheint nach dem Weltbild des Feminismus und der Wirtschaftslobbyisten  durch professionelle Dienstleistungsunternehmen weit effizienter zu funktionieren und ist unter dem Gesichtspunkt der späteren Eingliederung des Nachwuchses in den kapitalistischen Verwertungsprozeß auch von der Familie bedarfsgerecht gar nicht mehr zu leisten.  Schließlich muß sich auch fiskalisch die staatliche Investition in die Förderung von Kinder rechnen. Die möglichst frühe Investition in vorschulische Förderung sei die effektivste familienpolitische Investition und von optimalen Nutzen für die Gesellschaft,  lautet das Ergebnis einer OECD Studie aus 2011. (2) Dabei werden konsequent die Stimmen  aus der Wissenschaft ignoriert, die vor den zum Teil desaströsen Folgen des Verlusts frühkindlicher emotionaler Bindungen warnen. So jüngst Ralph Dawirs, Professor für Neurobiologie, der in einem FR-Interview sagte, ,,Die frühe emotionale Bindung  an die Familie ist die Basis für alle sozialen Kompetenzen, die das Kind später entwickelt…. Kommt es in dieser sensiblen Phase zu Störungen, hat das gravierende Folgen – etwa bei der Entwicklung von Empathie.” (3 ) Was inzwischen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit geworden ist oder zumindest dabei ist zu werden, hat die politische Linke schon seit langer Zeit als positive Vision von der Vergesellschaftung der Reproduktion vor sich hergetragen. Die Familie als der zentrale Ort der gesellschaftlichen Reproduktion war das private Refugium, in das der Staat nur begrenzte Eingriffsbefugnisse hatte, und die Begrenzung staatlichen Einflusses in der Privatsphäre war einmal ein Wesensmerkmal der bürgerlichen Gesellschaft.

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(1) Die Angaben über die Studie stammen soweit nicht besonders angegeben aus der  übereinstimmenden Berichterstattung der Tagespresse v. 18/19.12.2012

(2) FR v. 9.11.2012 ,,Nur eine frühe Förderung von Kindern bringt dem Staat Nutzen.”

(3) Ralph Darwirs, Interview in FR v. 19.12.2012 ,,Totale Irreführung der Eltern”

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Zuletzt aktualisiert: 15. Nov, 13:58

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