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Dienstag, 20. Januar 2015

Charlie Hebdo und die Aufklärung

Als Reaktion auf die verbrecherischen Anschläge in Frankreich formiert sich eine Bewegung bisher nicht bekannten Ausmaßes, die sich um die Verteidigung republikanischer Werte schart und plötzlich wieder das hohe Gut der nationalen Einheit für sich entdeckt. Die Opfer des Terrorangriffs unter den Redakteuren der Zeitschrift Charlie Hebdo werden zu Märtyrern der Pressefreiheit, die zum Beispiel nach den Worten von Bernard-Henri Levy ,,ihr Leben im Kampf gegen die Unterdrückung des Geistes” bezahlt haben, und die FAZ schreibt am 8. Januar von einem ,,Anschlag ,auf das wertvollste, was der Westen hat.” Es ist durchaus zweifelhaft, ob all dieses Pathos sich noch mit dem Respekt vor den Opfern des grausamen Terroranschlags rechtfertigt, oder ob sich hier eine Bewegung formiert, die mit der Gleichsetzung der Empörung über die Terrorakte mit der bekennenden Sympathie für Charlie Hebdo politisch instrumentalisiert wird. Von ,,einer Kriegssituation” ist in der Rhetorik des französischen Präsidenten ohnehin schon die Rede. Und man sollte auch nicht vergessen, daß Bernard-Henri Levy die Rolle des Anstifters bei dem grausamen militärischen Überfall auf Libyen gespielt hat, an dem Frankreich an führender Stelle beteiligt war.

Charlie Hebdo in der Tradition der Aufklärung?

In einem der seriösesten und durchaus geistvollen Artikel setzt sich Andreas Platthaus in der FAZ v. 9. Januar mit dem Thema Charlie Hebdo und der Aufklärung, zu deren Gradmesser er die Karikatur macht, auseinander. Er greift in den Traditionslinien der Karikatur in der französischen Geschichte zurück bis auf die großen Karikaturisten Charles Philipon und Honoré Daumier und erinnert an den 14. November 1931, an dem sich Philipon vor einem Gericht wegen Majestätsbeleidigung des ,,Bürgerkönigs” Louis- Philippe verantworten mußte, der doch angetreten war, die Pressefreiheit wieder herzustellen. Und Andreas Platthaus würdigt zu Recht die große französische Kultur der Karikatur im Unterschied etwa zu Ländern wie Großbritannien und hebt ausdrücklich hervor, ,,Alle ihre Karikaturisten bezogen offiziell und prinzipiell Stellung gegen die jeweils herrschenden Souveräne.” Im Unterschied z.B. zu der Tradition Großbritanniens. ,,Deren berühmtesten Blätter legten sich vor allem mit den Feinden Großbritanniens an.”

Auch Bilder können töten

Hier allerdings hätte der Autor stutzig werden müssen. Er hat sich die Konsequenzen seiner Überlegungen damit doch selbst schon auf die Zunge gelegt. Die Traditionslinien der Mohamed Karikaturen in der Zeitschrift Charlie Hebdo gehen nicht zurück auf die Aufklärung und die großen Karikaturisten, sondern stehen im Kontext des seit 2003 geführten Kreuzzugs des Westens, wie der fortdauernde Antiterrorkrieg ausnahmslos gegen islamische Länder zunächst genannt wurde. Da mag sich Charlie Hebdo damit herausreden, daß er jede Religion karikiert. Im Westen fordert das schon gar nicht die Obrigkeit heraus. Die Schmähkritik gegen den Islam aber verhöhnt den Feind, auf den der Westen bereits seinen Militärstiefel gesetzt hat, und diffamiert die hier lebenden muslimischen Minderheiten. In der jüngsten Geschichte geht die Tradition eher zurück auf das ganz rechte Lager. Angefangen hat es mit berüchtigten Mohamed Karikaturen in der Zeitung Jylland-Posten im September 2005, deren Erscheinen Unruhen mit 50 Toten zur Folge hatte. Charlie-Hebdo legte im Februar 2006 nach Ebenfalls nachgelegt hatte er auf den Film ,,Innocence of Muslims”, der weltweit Empörung hervorrief und eine angeheizte Stimmung unter den Muslimen erzeugte. Unter anderem soll darin Mohamed als Kinderschänder , Homosexueller und Feigling verhöhnt worden sein. Anstatt sich spätestens hier von diesen häßlichen Machenschaften abzusetzen, setzte Charlie Hebdo nur Tage später mit neuen Mohamed Karikaturen nach und sendete damit zumindest Signale der Solidarität mit diesen Machenschaften aus.

Pressefreiheit ist nicht grenzenlos

und umfasst ganz sicherlich nicht die beleidigende Schmähkritik. In jedem anderen Zusammenhang dürfte darüber Einigkeit bestehen. In einigen Ländern des Westens soll beim Islam und gegenüber den Muslimen aber eine Ausnahme gemacht werden, und die hier lebenden Muslime werden bis bis zur Selbstverleugnung unter ideologischen Druck gesetzt, um sich nicht dem Verdacht der Komplizenschaft mit dem Terror oder wenigstens der Verweigerung der Integration auszusetzen. Wenn jemand öffentlich einen Schwarzen als Nigger beschimpft, ist das nicht lustig und auch nicht von der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt. Wer den Religionsstifter des Islams herabwürdigend schmäht, bedient im besten Fall bewußt antiislamische Klischees, und das ist ebenfalls nicht lustig. Das Schüren von Islamophobie hat so wenig mit Religionskritik zu tun wie der Antisemitismus, sondern diffamiert Muslime, ob gläubig oder nicht. Es ist schon einigermaßen erstaunlich, wie in den Ländern Frankreich und Deutschland dieses vermeintliche Recht nun unter Berufung auf die Aufklärung zum Allerheiligsten unserer republikanischen Kultur erhoben wird, ganz im Gegensatz zum Beispiel zu Ländern wie etwa den USA oder Großbritannien, in denen zumindest die Blasphemie noch traditionell sehr viel mehr geächtet wird, auch und gerade zum Schutz der vielen religiösen Minderheiten. Dabei setzt das geltende Recht auch in Deutschland der Presse- und Meinungsfreiheit insoweit deutliche Grenzen. ,,Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.” heißt es in Art 5 Grundgesetz. § 166 des Strafgesetzbuchs ist eine dieser Vorschriften. Strafbar ist danach das öffentliche Beschimpfen weltanschaulicher und religiöser Bekenntnisse, sofern es geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Gemeint ist damit die gehässige, bewußt provokative, verächtlichmachende Schmähung, so wie sie aus der rechten Ecke und eben auch von Charlie Hebdo kommt. Auch wenn der Schutz dieser Werte einem gedeihlichen Miteinander der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften, der Toleranz und dem Erhalt der kulturellen Vielfalt förderlich wäre, ist nach dem Tenor der öffentlichen Debatte wohl eher mit einer baldigen Abschaffung dieser Schutzvorschrift zu rechnen.

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Zuletzt aktualisiert: 15. Nov, 13:58

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